| Tanzgeschichte | |||||||||||||||
| Wiener Walzer Die Ursprünge des Walzers gehen bis ins 12. und 13. Jahrhundert zurück. Er entwickelte sich aus den paarweise getanzten Volkstänzen im Alpenraum. Als „Wilder Weller“ eroberte er ganz Deutschland, und das obwohl (oder gerade weil) der Tanz wegen seiner „Ungezügeltheit“ immer wieder verboten wurde. Auf dem Wiener Kongress 1814/1815 setzte er sich endgültig auch in der höfischen Gesellschaft durch. Dass er gerade dort so großen Erfolg hatte, war ein Beweis für das neue Lebensgefühl der Menschen. Nur von einer kurzen Phase in den 20er Jahren unterbrochen behielt der Wiener Walzer seine Favoritenrolle bis heute. Langsamer Walzer Der langsame Walzer entwickelte sich in den 20er Jahren aus dem Boston, der neben den runden Drehungen des Wiener Walzers auch bereits die neuen Elemente des Geradeaus-Bewegens beinhaltete. Ab 1929 wurde er aufgrund seiner Herkunft auch Englischer Walzer genannt. Die Weiterentwicklung des Langsamen Walzers hatte es mit sich gebracht, dass durch den vermehrten Drehgrad bei Rechts- und Linksdrehung am Ende des Taktes die Füße geschlossen wurden. Der Tanz erhielt eine Diagonalstruktur mit ¾ Drehungen. Diese neue englische Form gilt seit 1927 bis heute. Tango Die Herkunft des Tango ist untrennbar mit der argentinischen Bevölkerung und den Slums und Vorstädten der Hauptstadt Buenos Aires verbunden, wo sich afrikanische, südamerikanische und spanische Einflüsse in einem Schmelztiegel der Nationen vermischten. Tänzerisch und musikalisch von den Volkstänzen Habanera (Kuba) und Milonga (Argentinien) beeinflusst verbreitete er sich zunächst in den Hafenvierteln. Bordellbesucher stellten tänzerisch die Beziehung zwischen Zuhältern und Prostituierten dar, begleitet von dem aus Deutschland importierten Bandoneon, einer Akkordeon-Art. Mit Beginn des 20. Jahrhunderts wurde der Tango auch in den höheren Schichten Südamerikas gesellschaftsfähig. Ab 1907 in Paris, später in ganz Europa brach das Tangofieber aus, auch wenn der Tango lange Zeit als unschicklicher Tanz bekämpft wurde. Der heutige Tango de Salon wurde in den 20er Jahren auf englischen Tanzkonferenzen geformt. Der europäische Tango ist eher vornehm. Die ursprüngliche Sinnlichkeit und Erotik findet man weiter im Tango Argentino. Foxtrott / Quickstep / Slowfox Seit Anfang des 20. Jahrhunderts kamen aus Amerika ständig neue moderne Tänze nach Europa, unter anderem auch der Ragtime. Der Rag beginnt mit einem langsamen Schreiten, beinhaltet jedoch auch den Wechsel von langsamen und schnellen Schritten. Der sich daraus entwickelnde Foxtrott wurde von englischen Tanzlehrern 1922 ausgebaut und verfeinert zur heute noch gültigen Technik. Ab 1924 spaltete sich der Foxtrott aufgrund der unterschiedlich schnell gespielten Musik auf in eine langsamere Variante, den Slowfox, und den schnelleren Quickstep. Obwohl der Slowfox auf der natürlichen Gehbewegung aufbaut, gilt er als der technisch anspruchsvollste Tanz. Der ursprüngliche Foxtrott blieb weiterhin im Welttanzprogramm erhalten und zählt mit seinen Verwandten Marschfox und Discofox zu den meistgespielten Tänzen. ChaChaCha Schon seit dem 16. Jahrhundert hat Kuba mit seiner Bevölkerung aus Spaniern und Westafrikanern ständig Einfluss auf die Entwicklung vieler Tänze genommen. Milonga und Habanera haben ihre Wurzeln auf der Insel, ebenso Rumba und Mambo, die als Vorläufer des ChaChaCha gelten. Die ursprüngliche Wildheit und Exotik des Mambo-Chachacha wurden abgeschwächt, hinzu kamen Elemente aus Jazz und Beat. 1954 erfasste die Spritzigkeit des ChaChaCha auch die Europäer. Deutsche Tanzlehrer stellten ihn 1957 als Modetanz auf einem Kongress vor, danach schaffte er schnell den Durchbruch und etablierte sich neben Rumba, Samba und Paso Doble als 4. Lateinamerikanischer Tanz (der Jive kam erst 1968 dazu). Der Name untermalt die Rhythmik des Tanzes. Rumba Kein anderer Tanz erzählt so sehr von leidenschaftlichem Werben, vom Streben der Frau, mit auffälligen Hüftbewegungen den Mann zu verführen. Der Ursprung der Rumba liegt irgendwo in den vielen afro-kubanischen Tänzen des 19. und 20. Jahrhunderts. Der Begriff stand zunächst für „Fest“ oder „Tanz“ und als Sammelbezeichnung für kubanische Paartänze. Musikalisch hatten sich aus einer Fülle von Rhythmen zwei Tänze entwickelt, die eng miteinander verwandt sind: im 19. Jahrhundert die Habanera, im 20. Jahrhundert die Rumba. Die Musik wurde entweder langsam gespielt wie beim später in Europa populären Rumba-Bolero, oder in schnellerem Tempo wie die Rumba-Guaracha und die kubanische Rumba. Über New York kam die Rumba 1930 nach Europa. Sie konnte sich jedoch nicht durchsetzen, da die meisten nicht wussten, wie sie tanzen sollten. Man bewegte sich im Foxtrott und wackelte dabei mit den Hüften. Erst nach 1945 wurde die Rumba von den Franzosen wiederentdeckt. Lucien David baute die Square-Rumba aus. Gleichzeitig beschäftigten sich die Engländer mit dem Tanz und entwickelten in starker Anlehnung an den Mambo den Cuban Style. In zwei „Rumba-Kriegen“ Ende der50er/Anfang der 60er Jahre stritt man um die Normierung der Rumba-Technik. Ein internationales Komitee entschied schließlich, dass die Rumba auf zwei verschiedenen Grundschritten aufgebaut sein kann. In den letzten Jahren hat die kubanische Rumba die Square-Rumba weitgehend verdrängt, da sie von nahezu allen Turnierpaaren als rhythmisch interessantere Variante bevorzugt wird. Samba Der Ursprung der/des Samba liegt in Brasilien. Afrikanische Sklaven aus dem Kongo, dem Sudan und Angola hatten ihre Tanzformen mit in die neue Heimat gebracht. Bei kultischen Festen vor allem der Bantu hatte die Exstase, der rauschhafte Tanz, im Mittelpunkt gestanden. Diese alte Tanzkultur setzte sich allmählich in den brasilianischen Küstenstädten durch. Bevorzugt wurde der „Samba de Moro“ getanzt, ein Kreistanz in dessen Mitte sich ein Einzelner oder ein Tanzpaar bewegten. Er wird als Ausgangspunkt für die moderne Samba angesehen. Aus der Milonga übernahmen die Neu-Brasilianer die dauernde Umarmung ein Paartanz war entstanden. 1917 wurde Samba zum Haupttanz des Karnevals (und ist es heute noch).Als afrikanisch-portugiesische Mischform kam um 1910 die Maxixe nach Europa, konnte sich jedoch nicht durchsetzen. Auch ein erneuter Versuch, die Samba in Europa zu etablieren, scheiterte 1924. Erst nach dem 2. Weltkrieg kam der große Durchbruch Samba gehörte fortan zum festen Bestandteil des Repertoires jeder Tanzkapelle. Die stark von afrikanischen Elementen beeinflusste Musik ist charakterisiert durch eine Vielzahl von übereinander gelagerten Rhythmen, die von typischen Schlaginstrumenten wie z.B. Schlaghölzern und Schüttelrohr erzeugt werden. Die Originalsamba erfordert viel Übung; die meisten Figuren werden mit starken Beckenbewegungen getanzt. Paso Doble Über die Entstehung des Paso Doble gibt es nur wenige Zeugnisse. Wahrscheinlich geht er auf einen französischen Infanteriemarsch namens „Pas redouble“ zurück, der zum Einzug der Toreros in der Stierkampfarena gespielt wurde. Bei der Präsentation der Kämpfer mussten festgelegt Regeln und Rituale befolgt werden, die um 1910 aufgegriffen und tänzerisch und musikalisch interpretiert wurden. In der heutigen Form ist der Paso Doble in Frankreich kreiert und zuerst vor allem als Schautanz auf Bühnen aufgeführt worden. Der Paso Doble ist die tänzerische Darstellung des Stierkampfes, auf dessen Entwicklung auch der spanische Flamenco großen Einfluss hatte. Der Herr stellt den Torero dar, die Dame das rote Tuch, die “Capa“ oder „Muleta“. Herr und Dame bewegen sich gemeinsam um einen imaginären Stier. Da der Paso Doble sehr viel Ausdrucksvermögen erfordert und wenig gestalterische Freiheit lässt, wird er auf den Tanzflächen der Gesellschaft selten gesehen.
Jive / Boogie Woogie / Rock`n`Roll Die sogenannten „Golden Twenties“ endeten 1929 mit dem „Schwarzen Freitag“ der New Yorker Börse, der die Weltwirtschaftskrise einleitete. Waren nach dem 1. Weltkrieg noch Charleston und Shimmy angesagt, begann jetzt eine neue Musik- und Tanzära. Im Rückgriff auf afrikanische Schlagtechniken und rhythmen entwickelten sich in den 30er Jahren Swing und Lindy Hop, später (aus dem Blues) Jitterbug. Von amerikanischen Soldaten 1940 nach Europa gebracht, wurde aus Jitterbug Boogie Woogie. In England suchte man eine gemäßigtere Form dieses „artfremden, ordinären“ Tanzes und entwickelte mit etwas langsamerer Musik den eleganteren Jive. 1954 nahm Bill Haley im Studio den Titel „Rock around the clock“ auf der Rock`n`Roll war geboren .Untrennbar verbunden mit dieser Musik ist Elvis Presley, der mit zum Siegeszug des R&R mit seiner spektakulären Akrobatik beitrug. Charakteristisch für all diese Tanzformen ist die stimulierende Musik, die aufgrund ihrer rhythmischen Akzente Jung uns Alt begeistert. Jive, Boogie und Rock`n`Roll sind zum Toben geeignete Tänze, temperamentvoll und rhythmisch, für Sporttänzer mit teilweise akrobatischen Figuren. Discofox Nach der tänzerischen Revolution durch den Rock`n`Roll in den 50er Jahren folgte in den 60ern eine Epoche der Einzeltänzer, die Beat-Welle. Mit dem Philadelphia-Sound kam der Wunsch nach paarweiser Bewegung. Als Weiterführung des Foxtrotts entwickelte sich der Beat-Fox, passend zu den schnellen modernen Rhythmen. Er wurde zunächst mit Figuren aus Boogie, Swing und R&R getanzt. Später passten die Tänzer auch Bewegungsstil und Tanzhaltung an die temperamentvolle Musik an der Discofox war entstanden. Parallel entwickelte sich in Amerika der Disco-Hustle mit etwas schwierigerem Grundschritt, aber ähnlichen Figuren. Line Dance Europäische Emigranten, die im 18.Jahrhundert die heutige USA besiedelten, hatten so einiges in ihrem kulturellen Gepäck: Contre Danses aus Frankreich, Clantänze aus Irland und Schottland, Menuett, Polka und vieles mehr. All diese Einflüsse ver-mischten sich im Lauf einiger Generationen zu einer eigenständigen amerikanischen Musik- und Tanzkultur. Auf jeden Fall weist der Line Dance Elemente aus allen europäischen und lateinamerikanischen Tänzen auf. Erste Aufzeichnungen stammen aus den 50er Jahren. Besonderes Highlight war die amerikanische TV-Sendung -American Bandstand-, in der wöchentlich neue Tänze verbreitet wurden. 1978 wurde der Tanzstil international bekannt durch -Saturday Night Fever- mit John Travolta. Durch -Urban Cowboy-, 1980 ebenfalls mit Travolta gedreht, wurde ein immer größerer Kreis von Tänzern auf Line Dance aufmerksam. Mitte der 90er Jahre gelang dann der weltweite Durchbruch. |
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